
Schweden und Norwegen August 2026
Und wieder lockt das Polarmeer
Nun also doch! Zunächst war für 2026 keine große Tour über mehrere Wochen geplant. Aber inzwischen liegt die Reise ans Nordkapp zwei Jahre zurück. Wobei es diesesmal nicht ans Nordkapp gehen wird. Seit Kurzem ist der Aufenthalt dort auf maximal fünf Stunden begrenzt, sodass eine Übernachtung nicht mehr möglich ist. Außerdem sind die touristischen Ausrichtungen soweit fortgeschritten, dass der Reiz für mich komplett verloren gegangen ist.
Stattdessen wird es Besuche am Polarmeer geben: Jakobselv, Hammerfest, Kingsfjord usw. Ich bin gespannt!

Ver- und Entsorgung am Polarkreis bei Jokkmokk
Freitag 21. 08.2026
Die Fähre von Travemünde nach Trelleborg legt am Donnerstag 27.8. um 9.30 Uhr ab, Ankunft in Trelleborg ist um 19.00 Uhr. Der Check- In startet ab 7.30 Uhr. Da es sich um die Tagesfähre handelt, habe ich auf eine Kabine verzichtet.
Ich reise bereits am Vortag an und werde beim Fischereihafen in Travemünde übernachten. Von dort sind es nur wenige Minuten bis zum Terminal. Die erste Übernachtung auf schwedischem Boden erfolgt irgendwo an der E4. Der weitere Verlauf wird wie immer erst unterwegs festgelegt.
Mittwoch 26. 08.2026

Die letzten Tage habe ich den Camper nach und nach mit allem Nötigen beladen. Die letzten Einkäufe wurden in Travemünde beim Lidl erledigt. Auf dem Stellplatz gab es noch genügend freie Plätze. Die Preise haben mit € 23,50 für eine Übernachtung ganz schön angezogen. Ohne Strom versteht sich. Den Nachmittag und frühen Abend habe ich bei bestem spätsommerlichen Wetter an der Promenade verbracht. Und morgen geht es mit der "Peter Pan" ins schwedische Dieselschlaraffenland. Der subventionierte Preis liegt bei umgerechnet € 1,65 pro Liter. Ich freue mich jetzt schon aufs Tanken!
Donnerstag 27.08.2026


Ich war früh wach und habe ziemlich schnell nach der Morgenroutine begonnen, alles für die Abreise vorzubereiten: Müll entsorgen, Wasser auffüllen, Toilettenkassette sowie Abwasser entleeren. Dann ging es die knapp 6 Kilometer zum Terminal.
Beim Einchecken wurde der Barcode meiner Reisebestätigung am Automaten gelesen und die Schranke öffnete sich. Personal am Terminal gibt es nicht mehr. Ich sollte mich in Spur 13 einfinden. Geschafft. Die Wartezeit wollte ich damit verbringen, meine Utensilien und etwas Proviant für die Überfahrt zusammenzustellen. Kaum war ein Mettwurstbrot geschmiert, setzte sich die Schlange schon in Bewegung. Ich musste abbrechen und verschwand mit dem Camper im dunklen Bauch der "Peter Pan". Nach dem Einparken wollte ich die Vorbereitungen fortsetzen. Durfte ich aber nicht, alle Passagiere mussten das Autodeck umgehend verlassen. So habe ich auf die Schnelle nur noch ein paar Sachen schnappen können. Zu Fuß ging es von Deck 5 durch das enge Treppenhaus bis auf Deck 11. Ein schöner Frühsport. Ich suchte mir draußen ein Plätzchen auf einem Deckchair. Es war sonnig und sehr windig. Ich sah nach, was ich alles in der Hektik nicht eingepackt hatte: meinen Thermobecher mit Kaffee, mein Buch und Reiseführer sowie eine Landkarte und Sonnencreme. Aber ich hatte Wasser, Geld und eine Doppelscheibe Mettwurstbrot. Immerhin.
Pünktlich legte das Schiff ab. Es ist immer wieder schön, langsam die Trave entlang zu fahren. Und das bei bestem Wetter. Sobald die Mündung erreicht war, nahm der Wind noch einmal zu. Ich suchte mir im Innenbereich einen Platz.
Nach zweieinhalb Stunden liefen wir Rostock an, um weitere Passagiere aufzunehmen. Das war weder mir noch meinen Tischnachbarn bekannt. Auch bei der Buchung hatte ich vom Zwischenstopp nichts gelesen. Nun denn. Nach etwas mehr als einer Stunde legten wir wieder ab und setzten den Weg nach Trelleborg fort.
Der Wind war immer noch ziemlich stark und allmählich zeigten sich auch Schaumkronen. Dennoch lag das Schiff erstaunlich ruhig im Wasser. Um 18:50 Uhr erreichten wir Trelleborg, um 19:20 Uhr verließen wir den Schiffsbauch wieder. Ich hatte mir auf Park 4 Night einen Parkplatz am nördlichen Stadtrand von Trelleborg herausgesucht, auf dem ich übernachten wollte. Es dämmerte bereits und ich wollte keine große Strecke mehr fahren.
Freitag 28.08.2026

Die Nacht war ruhig. Um 7:00 Uhr startete in der Fabrik nebenan die Arbeit. Also aufstehen und Kaffee kochen. Gegen halb neun ging es los. Als erstes wurde eine Tankstelle angesteuert, ich hatte in Deutschland in Erwartung günstiger Schwedenpreise nicht mehr getankt. Die Preise hatten sich inzwischen auf umgerechnet € 1,75 leicht erhöht. Das ist im Vergleich zu Deutschland immer noch sehr günstig. Der Tankprozess jedoch war bemerkenswert: zuerst muss man in das Gebäude gehen. Dort wird mit der Kreditkarte ein Limit von maximal SEK 2.000 (etwa € 180) festgelegt und auf dem Konto "geparkt", die endgültige Abrechnung erfolgt nach dem Tankvorgang. Man erhält einen Ausdruck mit Barcode und einer achtstelligen Nummer sowie die Säulennummer. Die muss man nun anfahren und an der dortigen Tastatur zunächst "Info" drücken und mit "OK" bestätigen. Anschließend wird der achtstellige Code eingetippt und mit erneutem Drücken von "Info" und "OK" bestätigt. Jetzt ist der Zapfhahn frei und es kann getankt werden. Auf meine Frage, ob der Prozess nicht ein wenig umständlich sei, erhielt ich nur Achselzucken. Sachen gibt´s...
Heute war reiner Fahrtag. Ich wollte unbedingt aus dem dichtbesiedelten Süden heraus. Über die E6 und später E20 ging es vorbei am beeindruckenden Vätternsee. Teilweise hatte man einen tollen Ausblick bei sonnigem Wetter und 22 Grad. Herrlich. Trotzdem gab es die gesamte Fahrt über heftigen Wind. Der Verbrauch stieg auf satte 10,5 Liter/ 100 km.
Hinter Örebro hatte ich einen Wanderparkplatz abseits der Autobahn herausgesucht. Die letzten Kilometer wurden über eine kurvige und hügelige Strecke absolviert. Das war eine prima Einstimmung auf das, was mich in den nächsten Tagen noch erwarten wird. Ach ja, unterwegs musste ich noch 10 Liter AdBlue nachtanken.
Nach insgesamt 540 Tageskilometern erreichte ich ziemlich erschöpft das Etappenziel. Ich ging früh schlafen.
Samstag 29.08.2026


In der Nacht hatte es kräftig geregnet, hörte am Morgen aber erst einmal auf. Die Wetteraussichten für den Tag waren nicht gut. Es sollte immer wieder lang anhaltende Schauer geben. So kam es dann auch. Aber das hatte auch etwas Gutes: die Windschutzscheibe war von sämtlichem Getier gereinigt.
Als Ziel hatte ich einen Waldparkplatz nördlich von Gävle ausgesucht. Heute sollten es nur 230 Kilometer werden. Die E18 führte mich zunächst rund 50 Kilometer Richtung Osten, bevor es über kleinere Landstraßen wieder nach Norden ging. So wurde der mautpflichtige Großraum Stockholm großzügig umfahren. Gegen Mittag erreichte ich Gävle und steuerte die kommunale Ver- und Entsorgung an. Als ich das Areal erreichte, kam es mir bekannt vor. Hier hatte ich schon 2022 Flüssigkeiten gewechselt. Und ich musste schon wieder tanken. Die Kilometer von gestern und heute brachten die Anzeige fast schon auf Reserve. Bei "Ingo" erwartete mich ein unkomplizierter Tankprozess. Den Stellplatz erreichte ich 15 Minuten später außerhalb von Gävle. Es regnete schon wieder. Ich beschloss, trotzdem hier zu bleiben. Den Nachmittag und Abend verbrachte ich mit Blogschreiben und der Bundesliga. Der Platz füllte sich gegen Abend, vier weitere Camper kamen hinzu.
Sonntag 30.08.2026


Der Schotterweg zurück zur Straße war mit gut gefüllten Pfützen übersät. Jedes Schlagloch war randvoll. Schnell erreichte ich wieder die E4 für meinen weiteren Weg nach Norden, nachdem ich noch vorher getankt hatte. Wie üblich, sind die Europastraßen in Schweden meist dreispurig ausgebaut: für etwa 1,5 km verläuft die Trasse in eine Richtung zweispurig, um langsamere Fahrzeuge überholen zu können. Danach bekommt die Gegenfahrbahn zwei Spuren. So geht das immer im Wechsel hin und her. Immerhin sind hier 100 km/h erlaubt. Das ist ein gutes und praktikables System. Inzwischen werde ich auch immer öfter überholt. Ich habe meine Reisegeschwindigkeit auf 85 km/h reduziert, um Diesel zu sparen. Den Verbrauch konnte ich auf 8 Liter senken.
Als erstes Highlight des Tages fuhr ich über die Högakustenbrücke und hielt oberhalb auf einem Hotelparkplatz an, um Fotos zu machen. Eine Übernachtung wäre für SEK 200 (€ 18) auch möglich gewesen. Der Ausblick wäre bei schönem Wetter sicher verlockend, aber die Wolken hingen einfach zu tief. Nach einer ausgiebigen Kaffeepause fuhr ich weiter. Ich fühlte mich noch frisch genug für weitere Kilometer.
In der Nähe von Husum (der Ort heisst tatsächlich so) steuerte ich am Nachmittag meinen heutigen Übernachtungsplatz an. Der liegt an einem Wasserkraftwerk, das fünf Plätze für Camper zur Verfügung stellt. Und da es sich um ein Krafrwerk handelt, gibt es als Bonus an jedem Platz kostenlosen Strom. Ein sensationeller Service!
Die nahegelegene E4 war nachts übrigens nicht so laut wie der Fluss, der die Schaufelräder des Kraftwerks antreibt.
Montag 31.08.2026


Bisher habe ich 1.260 Kilometer zurückgelegt, heute kamen weitere 350 hinzu. Die Stellplatzsuche war etwas aufwendiger. Zwei Plätze waren in Wohngebieten, die kamen für mich nicht infrage. Schließlich fand ich einen in der Nähe von Lulea. Als ich das Ortsschild passierte, wurde mir erst klar, dass ich heute in einem Weltkulturerbeort übernachten werde: das Kirchdorf Gammelstad, das im Mittelalter die Stadtmitte von Lulea war und zum Bau der Kirche führte. Rings um die Kirche wurden im 13. Jahrhundert etwa 400 Hütten gebaut, in denen die Bewohner der Gemeinde nach den Gottesdiensten übernachten konnten. Viele dieser Hütten stehen heute noch in ihren traditionellen Farben rot und weiß. Einige davon könnten frische Farbe gebrauchen. Wer die Historie genauer wissen möchte, kann > hier bei Wikipedia nachlesen.
Mehr als zwei Stunden war ich mit dem Dorfbummel beschäftigt. Ein ehrfurchtsvoller Ort. Das Freiluftmuseum, das ich auch gerne besucht hätte, war leider schon geschlossen. Die Kirche leider auch. Den Camper konnte ich auf einem kostenlosen Stellplatz unterbringen.
Dienstag 01.09.2026



Es wird ein anstrengender Tag. Aber das wusste ich morgens ja noch nicht. Lulea bzw. Gammelstad liegen schon ziemlich weit nördlich. Das Ende des Bottnischen Meerbusens ist fast erreicht und bald zweigt die E10 von der E4 ab, die ich Richtung Överkalix fahren werde. Von dort geht es über die 392 weiter nach Pajala an die finnische Grenze. Google Maps bot mir eine um 5 Minuten längere Alternative über die 98 an, die ich natürlich ablehnte. Ich hatte ja einen Plan. Okay, hinterher ist man immer schlauer. Ich blieb also auf der 392. Die ersten 20 Kilometer war auch alles gut. Bis es dann zur längsten Baustelle meines Lebens führte. Der Asphalt war zu Ende und es ging die nächsten 60 Kilometer (!) nur auf einer Schotterpiste entlang. Die Piste war zwar gewalzt, aber durch den Regen der letzten Tage schön schlammig. Irgendwann später kam der Rollsplit. Ich musste reichlich Abstand zu meinem Vordermann halten, um nicht meine Windschutzscheibe durch Steinschlag zu gefährden. Der Split hier im Norden ist etwas grober als wir es kennen. Auch sonst polterte es bei jeder Bodenwelle im Inneren des Campers mächtig. Die Gewürze zum Beispiel verließen ihre Halterung und landeten scheppernd in der Spüle und am Boden. Also musste das Tempo noch weiter reduziert werden.
Und dann erschienen auf einem Mal wie aus dem Nichts die Markierungen des Polarkreises. Vor lauter Konzentration auf den Weg wäre ich fast dran vorbeigefahren. Ich hielt in einer Parkbucht (selbst die war gefräst), um die obligatorischen Fotos zu machen. Durch das Schneckentempo mit max. 30 km/h kam mir die Strecke endlos vor. Die letzten 10 Kilometer waren einspurig. An einer permant roten Ampel mussten alle ziemlich lange warten. Dann kam der Baustellenpilot mit seinem Spezialfahrzeug und gelbem Rundumlicht, wendete und führte die wartende Kolonne durch den Engpass. Irgendwann musste ich rechts abbiegen und hatte wieder Asphalt unter den Reifen; geradeaus ging es weiter auf Schotter. Was bin ich doch für ein Glückspilz. Unterm Strich hat mich das Abenteuer eine Stunde mehr gekostet. Und der Camper war von außen völlig verdreckt.
Eine lange Kaffeepause mit vielen Keksen war die Folge. Im schwedischen Pajala habe ich noch einmal vollgetankt, der Diesel kostet in Finnland € 2,36. Nach Überqueren des Grenzflusses Torneälven war ich in Finnland.
40 Kilometer vor Inari habe ich einen Campingplatz angesteuert: € 35 inklusive Strom. Die Nacht sollte frisch werden und ich wollte meinen Heizlüfter bemühen und nicht den teuren Diesel verheizen. Das kommt noch früh genug. Der Versuch, noch einen Film auf Netflix zu schauen, schlug fehl. Ich schlief ein.
Mittwoch 02.09.2026




Nach einer herrlichen heißen Dusche wurde gepackt. Allmählich gibt es Routine. Es hatte in der Nacht wieder viel geregnet. Die Wiese, auf der ich parkte, stand ziemlich unter Wasser. Zwei Schwierigkeiten:
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Stromkabel ohne Lebensgefahr abstöpseln und einpacken
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Bewegt sich der Camper überhaupt aus diesem "See" vorwärts?
Ich zog meine Goretexstiefel an und legte los. Beides klappte problemlos. Nach der Entsorgung ging es weiter auf der 955 nach Inari. Im dortigen Supermarkt habe ich Bananen, Brot und ein bisschen Aufschnitt gekauft. Den Kauf von leckerem Karhou-Bier habe ich unterlassen: ein Sixpack 0,33 kostete € 14,98. Plus Pfand. Also bleibt es bei Mineralwasser für die nächste Zeit. Meine Biervorräte sind streng rationiert.
Nach zwei Stunden Fahrt durch teilweise heftigem Regen erreichte ich die norwegische Grenze. Es gab kein Personal am Grenzübergang. Die Fahnen wehten auf Halbmast. Norwegen trauert.
Wenig später erreichte ich meinen eigentlich geplanten Übernachtungsplatz am Wasserfall Skoltefossen. Der geteerte Platz wirkte im Nieselregen derart trostos, dass ich nicht bleiben wollte. Außerdem war der Wasserfall viel zu laut. Ich konnte mir nicht vorstellen, bei dem Getöse zu schlafen. Bis zu meinem eigentlichen Ziel Grenze Jakobselv waren es von hier noch 91 Kilometer bzw. 1 Stunde 37 Min. Fahrtzeit. So habe ich wieder das bewährte Doping angewendet: Kaffee und Kekse. Gestärkt und motiviert ging es los. Kirkenes liegt auf dem Weg, dort wollte ich tanken. Nach meinen letzten Recherchen sollte der Dieselpreis in Norwegen umgerechnet bei € 2,10 liegen. Kaum hatte ich Kirkenes erreicht, kam der Schock. Die Esso forderte für Diesel umgerechnet € 2,61. Okay, dachte ich, ist halt Esso. Aber auch alle anderen Tankstellen präsentierten diesen Preis. So habe ich erst einmal 35 Liter für € 92 (oder NOK 1.000) getankt. Irgendwas ist ja immer...
Von Kirkenes ging es über die E105 weiter. Dann musste ich links abbiegen. Geradeaus führte die E105 nach Murmansk. Die russische Grenze lag unmittelbar vor mir: "Achtung, Sie verlassen den Schengenraum".
Vor mir lagen 43 Kilometer übelster Straße. Nach wenigen Kilometern sehnte ich mich zu den Schotterpisten zurück. Es gab Abschnitte, auf denen man 60 km/h fahren konnte. Die überwiegende Zeit waren es jedoch maximal die Hälfte. Risse, Schlaglöcher, Auswaschungen, alles Erdenkliche war dabei mit den unterschiedlichsten Fahrbahnbelegen.
Die letzten 10 Kilometer ging es über eine Schotterpiste, da fühlte ich mich wieder wohl. Der Grenzfluss zwischen Norwegen und Russland ist etwa 25 Meter breit und nicht so tief, man kann hindurchwaten. Wovor allerdings nachhaltig gewarnt wird. An einer Stelle des Flusses ist der russische Grenzpfosten in einer Entfernung von 30 Metern gut zu erkennen. Ein beliebtes Fotomotiv. Beim fotografieren wird man argwöhnisch vom anderen Ufer aus mit Ferngläsern beobachtet.
Die Kapelle König Olaf II bildet das vorletzte Highlight des Tages. Errichtet 1869, soll sie den Grenzverlauf zwischen Norwegen und Russland bestätigen.
Und dann war es da: das Polarmeer. Ich bin froh und stolz, das relativ schnell erreicht zu haben.
Erkenntnisse des Tages:
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manchmal ist das "Andere" sehr nah
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am Ende der Welt: kostenlose Park- und Übernachtungsplätze, es gibt Entsorgungmöglichkeiten für Wohnmobile. Keine Kurtaxe. Da bin ich sprachlos.
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Unerschrockene Norweger, die am Nachmittag kommen, um im Polarmeer ein paar Bahnen zu schwimmen. Nur in Badehose/-anzug. Kein Neopren. Danach steigen sie fröhlich in ihre Autos und fahren ihrer Wege. Ich bin tief beeindruckt.
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Das freundliche norwegische Militär zeigt auf dreiachsigen Quads Präsenz
Donnerstag 03.09.2026


Eigentlich hatte ich vor, heute am Polarmeer einen Zero Day einzulegen und nicht zu fahren. Da es aber schon den ganzen Morgen wie aus Eimern schüttet, müsste ich den Tag wohl überwiegend im Camper verbringen. Das wollte ich nicht. Also habe ich mir ein neues strategisches Ziel ausgesucht, von dem aus ich weitere Fjorde besuchen kann. Da lag der kostenfreie Stellplatz an der Tana Bru nahe. Von hier aus kann ich einige Buchten, die mich interessieren, Richtung Norden anfahren. Das sind knapp 200 km bis Tana. Die miese Strecke von gestern mit 43 Kilometer muss ich natürlich wieder zurück. So beträgt der Zeitaufwand insgesamt fast drei Stunden.
Sobald ich wieder auf der E105 und später auf der E6 war, wurde es entspanntes Reisen. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut mit langgezogenen Kurven. Meine neue Reisegeschwindigkeit 80 km/h gefällt mir. Mit Tempomat ist das lockeres Fahren trotz vieler Steigungen und Kurven. Und ab und zu kann man einen Blick auf den Varangerfjord werfen.
Den Platz an der Tana Bru hatten wir auf unserer > Finnlandtour 2023 bereits besucht. WC und die Entsorgung der Toilettenkassette stehen zur Verfügung. Frisch- und Abwassermöglichkeiten leider nicht. Da der Platz kostenlos ist, will ich mich aber nicht beschweren. Am Nachmittag und Abend war wieder Blog schreiben angesagt.
Freitag 04.09.2026


Heute wollte ich die Orte Batsfjord, Kongsfjord und Berlevag besuchen. Das Blöde an Fjorden: sobald diese ins Meer münden, enden die Landstrassen als Sackgasse. Man muss denselben Weg wieder zurückfahren. Einen Rundkurs gibt nicht. Die Wetteraussichten sind auch für heute eher bescheiden. Es ist mit viel Regen und 8° zu rechnen.
Der erste Teil der Strecke führt am Fluss Tanaelva entlang, der sich durch ein sehr breites Flussbett schlängelt. Im Moment führt er wenig Wasser, sodass immer wieder Sandbänke zu sehen sind. Leider ist die Ufervegetation so üppig, dass man von der Strasse aus nur selten freien Blick hat. Ich folge einem Schulbus in der Annahme, dass der Fahrer schon weiß, wie man die Strecke fahren muss. Da ich erst neulich das Gewürzregal wieder einräumen musste, fahre ich die ruppige Strecke zurückhaltend. So habe ich aber keine Chance, er hängt mich gnadenlos ab. Dann gabelt sich die Strasse, nach Batsford muss ich rechts abbiegen. Höher und höher schraubt sich die Trasse, bis zu 400 Meter üNN. Die Vegetation ändert sich schlagartig. Bäume wachsen hier nicht mehr; nicht einmal mehr die robusten Birken. 20 Kilometer weiter geben auch die Büsche auf. Es bleiben nur noch Moose und Flechten, die allerdings in den schönsten Herbstfarben leuchten. Schade, dass es immer wieder regnet. Die Landschaft erinnert mich an die Nordkapptour vor zwei Jahren. Die hügelige, rauhe und karge Landschaft ist schon skurril. Aber auch toll.
Ich erreichte den 2.000- Einwohnerort Batsfjord. Die Wolken hingen so tief, dass sie fast das Wasser berührten. Die umliegenden Berge waren nur schemenhaft zu erkennen. Die Einwohner leben überwiegend vom Fischfang und von der Lachszucht. Außer einer Tankstelle und einem Supermarkt gibt es nicht viel, was den Ort aufregend machen würde. Der Regen wird weniger, ich kann wenigstens ein paar Fotos machen.
Ich fahre zurück zur Kreuzung, um nach Kongsfjord und Berlevag abzubiegen. Der Weg dorthin führt diesmal direkt am Fjord und am Polarmeer entlang. Tunnel, Brücken oder Fähren gibt es nicht. Jede Bucht wird an der schroffen Küste kurvenreich umfahren. Das dauert. Trotzdem ist die Strecke interessant. Das Meer wird vom Sturm regelrecht an die felsige Küste gepeitscht. Die Brandung ist enorm. Der Wind auch.
Fazit: Kongsfjord und Berlevag kann man wegen der interessanten Strecke entlang des Polarmeeres gerne einmal machen. Von Batsfjord war ich eher enttäuscht und würde nicht noch einmal hierher fahren. Allerdings darf man die Anfahrt über das karge Hochplateau nicht vergessen. Das ist schon sehenswert.
Ich wollte wieder in Tana Bru übernachten und machte mich auf den Rückweg. Es kamen insgesamt 330 Kilometer und viereinhalb Stunden Fahrzeit zusammen.

Der Tagesausflug
Samstag 05.09.2026


Es ist zwar erst Samstagnachmittag, aber ich beginne schon mal mit dem Schreiben.
Das heutige Ziel sollte Lakselv sein. Der Ort liegt am Parsangerfjord und von dort gibt es mehrere Möglichkeiten. Wie es genau weitergehen wird, weiß ich noch nicht. Für die knapp 200 Kilometer sagt Google Maps 3 Stunden und 12 Minuten Fahrzeit voraus. An diesem Verhältnis kann man schon erkennen, dass der Abschnitt nicht so flüssig zu fahren sein wird.
Das Thermometer im Camper zeigte heute Morgen 10°. Was bin ich froh, dass ich die Heizung per App vom Bett aus bedienen kann. Schnell wurde es warm. Sogar die Wolkendecke brach auf und die Sonne half beim Aufwärmen des Autos. Mal sehen, ob das mit der Sonne auch nachhaltig ist. Nach Kaffee und Müsli ging es los. Ein letztes Mal wurde die Tana Bru überquert, um dann am Kreisverkehr auf die 98 abzubiegen. Diesesmal war ich auf der anderen Uferseite des Tanaelva unterwegs. Aber auch hier war der Uferbewuchs so dicht, dass vom Fluss nichts zu sehen war. Und schon bald waren die ersten Höhenmeter zu bewältigen. Im 6. Gang sprang der Tempomat heraus und teilweise musste ich bei den Steigungen in den 3. Gang zurückschalten, um wenigstens etwas Schub zu haben. So sollte es bleiben. Das Getriebe wurde überwiegend zwischen 3. und 5. Gang genutzt. Die Kurven wurden enger und zahlreicher und führten dicht am Fels oder am Abhang entlang. Die Zeitangabe von Google schien realistisch zu sein. Musste ich in den letzten Tagen immer wieder einmal Rentiere vorsichtig passieren, waren es heute Schafe und Ziegen, die den Weg versperrten. Sie lagen mitten auf der Straße und wärmten sich an dem von der Sonne erwärmten Asphalt. Man muss nur Geduld haben. Irgendwann löste sich die "Blockade" und jeder setzte seinen Weg fort.
35 Kilometer vor Lakselv entdeckte ich einen schönen Fotospot und hielt an. Zuerst: Kaffee und Kekse. Ich beschloss spontan, hierzubleiben und auch zu übernachten. Damit war der Fahrtag um 13.00 Uhr beendet. Inzwischen bin ich so entspannt, dass ich sogar die Bundesliga verpasst habe. Einfach nicht dran gedacht.
Die Sonne gab sich übrigens richtig Mühe. Nachhaltig über längere Zeit war das aber nicht.
Sonntag 06.09.2026


Die Nacht war kalt. Die Heizung hatte ich auf 10° eingestellt, damit das Auto nicht zu sehr auskühlt. Sie sprang mehrmals in der Nacht an. Wer einen leichten Schlaf hat, bemerkt den Heizungsstart. Ich bin so einer.
Gegen 7.00 Uhr ging es in den Tag. Die Heizung wurde per App vom Bett aus hochgeregelt. Ich konnte unter meiner schönen warmen Daunendecke warten, bis das Raumklima angenehm wurde. Waschen (mit warmen Wasser!), Zähneputzen, Kaffeekochen. Ich freue mich immer wieder, wie gut der Camper ausgerüstet ist. Vor allem das modifizierte Fahrwerk machte sich auf den Strecken der letzten Tage mehr als bezahlt. Es fehlt nichts.
Um 8.30 Uhr war Abfahrt. Bis Lakselv waren es nur noch knapp 30 Kilometer. Am Sonntagmorgen war hier nicht viel los. Die Dieselpreise waren leicht auf € 2,46 gefallen. Tanken lohnte noch nicht, das wollte ich später erledigen. Die E6 schlängelt sich an der Westseite des Porsangerfjords entlang und bietet teilweise herrliche Ausblicke. Die Sonne brach immer wieder mal durch. Viele Wohnmobile waren Richtung Nordkapp unterwegs. Wie ich am Anfang des Blogs erwähnte, ist das nichts für mich. Der Aufenthalt dort ist auf 5 Stunden begrenzt, allerdings ohne Parkgebühren. Der Eintritt für das Polarcenter kostet € 28. Ich war > 2024 dort. Daran erinnere ich mich gerne zurück.
In Olderfjord bog die E6 links nach Alta ab. Ich fuhr weiter geradeaus auf der E69 Richtung Nordkapp. Mein Ziel war der kostenlose Stellplatz in Skarvbergvika, den ich vor zwei Jahren auf dem Rückweg vom Nordkapp angesteuert hatte. Ich musste dringend Grauwasser und Toilette entsorgen und brauchte Frischwasser. Alles das bekam ich dort. Zudem gibt es beheizte (!) Toiletten. Von hier waren es noch 103 Kilometer bis zum Nordkapp. Die Versuchung war nur kurzzeitig da.
Gegen Abend setzte der Regen wieder ein. Rentiere trotteten über den Stellplatz. Und es war sehr international: Fahrzeuge aus Frankreich, UK, Spanien, Schweden und natürlich Norwegen standen um mich herum. Es wurde eine ruhige Nacht.
Montag 07.09.2026


Um 7.00 Uhr waren die Reinigungskräfte vor Ort und haben das WC und alle Nebengebäude gesäubert. Auch die Hütten und Grillplätze. Top!
Witzig: zum Nordkapp sind es von hier 103 Kilometer und zu meinem heutigen Ziel Havoysund ebenso viel.
Nachdem alle Flüssigkeiten gewechselt waren, ging es auf der E69 zurück Richtung Olderfjord. Nach 20 Kilometern bog ich rechts auf die 889 ab. Bis zum Ziel waren es von hier 80 Kilometer. Google sagte 1 Stunde 47 Minuten Fahrzeit voraus. Die Strecke wurde also wieder abwechslungsreich. Wettertechnisch sollte es der schönste Tag meiner bisherigen Reise werden: Blauer Himmel und Sonne pur bei 8°. Immerhin. Die Scheibenwischer kamen heute nicht zum Einsatz, das nehme ich schon einmal vorweg. Der Straßenbelag war für die gesamte Strecker hervorragend. Immer wieder musste ich kurze Stopps einlegen, um zu fotografieren. Die Strecke führte meistens direkt am Fjord entlang. Jede Bucht wurde mitgenommen. Die Schilder für Tempolimits hätten sich die Norweger sparen können. Das Tempo wurde von der Streckenführung vorgegeben. Dritter bis fünfter Gang kamen wieder zum Einsatz. Die Straße war schmal, bei Gegenverkehr musste man schon aufpassen. Aber es gab Ausweichbuchten, die man bei LKW im Gegenverkehr auch nutzen sollte. Die nehmen nämlich keinerlei Rücksicht.
Gegen Mittag erreichte ich Havoysund. Eine Brücke führte ins Zentrum.
"Von der Porsanger-Halbinsel, also vom Festland, führt der Fylkesvei 889 über die Brücke Havøysund bru über die Meerenge Havøysundet auf die Insel Havøya. Dort führt die Straße in Richtung Osten durch die Ortschaft. Havøysund Bru wurde im Dezember 1986 eröffnet und hat eine Länge von 293 Metern. Sie gilt als die nördlichste der Welt in ihrer Größenklasse. Im Hafen von Havøysund legen Schiffe der Hurtigruten an. Erstmals angesteuert wurde der Hafen im Jahr 1934. Als Orientierungspunkt für die Seeleute dient mittlerweile der Windpark der Insel." Quelle: Wikipedia
Mich erwartet ein Fischerdorf, das überwiegend vom Fischfang lebt. Die 900 Einwohner haben an Infrastruktur alles da, was man zum täglichen Leben braucht. Beim Coop fülle ich die Vorräte auf. Die Lebensmittelpreise sind hier deutlich höher als in Deutschland. Der Nachschub wird meistens mit den Hurtigrouten angeliefert, wie mir ein Einwohner erzählt. Ein kleiner Teil wird per LKW angeliefert. Wenn man größere Anschaffungen plant wie Kühlschränke oder Möbel, muss dies of tüber Monate im Voraus geplant werden.
Übernachten wollte ich hier nicht, obwohl es möglich gewesen wäre. Ich hatte auf der Hinfahrt entlang des Fjords einige Stellen entdeckt, die für eine Übernachtung infrage kämen. So fuhr ich zurück (zur Erinnerung: Fjord = Einbahnstraße) und hatte nach 30 Kilometern meinen Traumstellplatz gefunden. Er wies keinerlei Verbotsschilder auf, sodass ich hier guten Gewissens übernachten konnte. Einen sensationellen Ausblick gab es noch dazu. Obwohl der Platz direkt an der Straße liegt, ist seit 19.00 Uhr kaum noch Verkehr. Es wird eine ruhige Nacht werden.

Die heutige Strecke
Dienstag 08.09.2026


Der Wind entwickelte sich im Verlauf des frühen Morgens fast zu einem Sturm. Der Camper stand ziemlich exponiert auf der Klippe und wankte kräftig hin und her. Gegen kurz vor fünf Uhr reichte es mir, an schlafen war so nicht zu denken. Ich fuhr zwei Kilometer weiter zu einem offiziellen Stellplatz am Lillefjord. Der lag tiefer und die Büsche boten zusätzlich Windschatten. Perfekt. Außer mir waren zwei weitere Camper da. Zum wach bleiben war es viel zu früh, ich legte mich wieder hin. Die Daunendecke war noch warm. Aufgewacht bin ich erst wieder um 8.30 Uhr.
Nach einem kurzen Frühstück ging es zurück auf die 889. Eine Stunde später traf ich wieder auf die E69 und bog nach Olderfjord ab. Vier Kilometer später ging es rechts zur E6. Unterwegs gab es immer wieder Rentiergruppen, die sich nahe am Fahrbahnrand aufhielten und Aufmerksamkeit verlangten. Gegen Mittag erreichte ich Hammerfest. In der Stadt sind 40 km/h vorgeschrieben und es gilt "rechts vor links". Das funktioniert so gut, dass es keine Ampeln gibt. Viele Zebrastreifen, an denen auch tatsächlich immer gehalten wird, wenn jemand die Straße überqueren möchte, tragen zu einer weiteren Verkehrsberuhigung bei. Und die Kreisverkehre natürlich auch. Ein tolles Konzept. Der Stellplatz ist direkt am Hafen und liegt zentral. Für NOK 360 (€ 33) bekommt man Ver- und Entsorgung sowie Strom. Und einen fantastischen Ausblick auf die Hafenbucht gibt es dazu.
Hammerfest hat 11.000 Einwohner und nennt sich selbst "Nördlichste Stadt Europas". Verifiziert ist das allerdings nicht. An 200 Tagen im Jahr gibt es Niederschlag. Einen davon habe ich heute abbekommen. Seit 15.00 Uhr regnet es durchgehend. Zum Glück hatte ich den Stadtrundgang vorher erledigt.
Mittwoch 09.09.2026


Der Regen blieb hartnäckig und machte auch am Morgen keine Pause. Vom Bett aus startete ich die Heizung. Das Warmwasser war nach 30 Minuten soweit, dass ich duschen konnte. Herrlich. Zum Kaffee gab es zwei Scheiben Marmeladenbrot. Anschließend musste noch ver- und entsorgt sowie das nasse Stromkabel aufgerollt und verstaut werden. Das machte bei dem Schmuddelwetter keinen Spaß. Um 8.30 war Start. Zunächst sollte es 140 Kilometer nach Alta gehen. Sollte ich dann noch fit sein für weitere Kilometer, wird weitergefahren.
Da das Wetter in Nordnorwegen bis Mitte nächster Woche so regnerisch und kalt bleiben soll, will ich zurück nach Schweden fahren. Dort ist es wettertechnisch deutlich besser und auch etwas wärmer. Und letztlich sind auch die Spritpreise angenehmer. Ich habe viel gesehen am Polarmeer und bin zufrieden mit meinen Sightseeing-Erlebnissen.
In Alta machte ich Pause: Kaffee und Kekse. Die Kondition war gut, also ging es weiter. Zunächst 260 Kilometer bis Skibotn, um dort die E6 zu verlassen und auf die E8 zu wechseln. Damit endete das sensationelle Küstenpanorama der E6 für mich.
Die E8 verläuft ziemlich parallel zur finnisch/ schwedischen Grenze durch das hügelige herbstliche Binnenland. Bei Karesuando werde ich Schweden wohl am Donnerstag erreichen.
Bis nach Finnland, das am nächsten zur norwegischen Grenze liegt, wird die Tankfüllung nicht reichen. Ich musste ein paar Liter noch in Norwegen nachtanken. Gegen 16.00 Uhr steuerte ich an der E8 einen Rastplatz an und blieb über Nacht.
Donnerstag 10.09.2026

Wieder ging es für meine Verhältnisse früh um halbneun los. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich die finnische Grenze erreichte. Die Ampel stand auf Rot. Ich schaltete den Motor aus und wartete. Eine freundliche Zöllnerin fragte mich ausgiebig nach dem woher-wohin-warum. Und sie fragte mich tatsächlich, ob ich aus dem Nicht-EU-Land Norwegen Alkohol und Zigaretten mitgebracht hätte. Das habe ich freundlich verneint. Dann durfte ich weiterfahren. Sachen gibt´s.
Die E8 brachte mich auf rumpeliger Piste ins schwedische Karesuando. Hier gab es keine Grenzkontrollen. Nach der Brücke über den Grenzfluss Muonionjoki war ich in Schweden. Von nun an geht es weiter auf der E45, dem Inlandsvägen. Und die Sonne begrüsste mich! Ein paar Quellwolken waren nicht störend. In Gällivare wurden beim Coop die Vorräte aufgefüllt.
30 Kilometer hinter Gällivare fand ich meinen heutigen Übernachtungslatz.
Freitag 11.09.2026


Heute gibt es nur eine Kurzstrecke. Ich bin die letzten Tage viel gefahren. War ich in Hammerfest noch auf dem 70. Breitengrad, bin ich inzwischen in Jokkmokk am Polarkreis auf dem 66. Breitengrad angekommen. Die Abstände zwischen zwei Breitengraden betragen 111 Kilometer oder 60 Seemeilen. Die gefahrene Distanz kannst Du selber ausrechnen.
Von meinem Übernachtungsplatz bis zum Stellplatz am Polarkreis waren es nur 62 Kilometer. Nach einer Stunde Fahrt erreichte ich das Ziel. Das soll es für heute auch gewesen sein. Eine freundliche ältere Dame kam zum Kassieren mit ihrem mobilen Kartenleser. SEK 250 (€ 22,50) für eine Nacht mit Strom. Wasser und Toilettenkassette entleeren inklusive. Und die WC sind sogar beheizt! Hier wollte ich den Tag und die Nacht verbringen. Das Auto musste dringend wieder innen gereinigt werden, eine kleine Handwäsche wartete auch auf mich. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Abwaschen, Windschutzscheibe reinigen, lesen, Blog schreiben, Wäsche aufhängen und so weiter. Viele denken, Camping sei Faulenzen pur. Weit gefehlt, kann ich da nur sagen.
Inzwischen ist es dunkel und 21.00 Uhr. Ich werde noch ein oder zwei Folgen meiner Netflixserie schauen und dann schlafen. Gute Nacht.
Samstag 12.09.2026


Der Ruhetag gestern tat gut, heute kann wieder Strecke gemacht werden.
In der Nacht waren es nur 3°. Ich hatte die Heizung auf 10° eingestellt. Sie lief praktisch die ganze Nacht durch. Da ich ja Landstrom hatte, half der Heizlüfter am Morgen kräftig mit. Schnell wurde es behaglich. Mein heutiger Stellplatz sollte hinter Arvidsjaur sein. Der lag auch wunderschön abseits der E45 direkt an einem See. Aber es gab unzählige Mücken, sodass ich weiterfuhr. Am Abend war ich immer noch dabei, das Auto von den Plagegeistern zu befreien. Auf Park4Night habe ich keinen Platz gefunden, der mir zusagte. Auf einen Campingplatz wollte ich nicht, ich hatte ja gestern bereits für den Stellplatz am Polarkreis gezahlt. So fuhr ich die E45 einfach weiter, irgendetwas wird sich unterwegs schon finden. Das Wetter war mit 14° ausgesprochen sonnig und die Strecke gut ausgebaut. Meine Kondition war ausgezeichnet und auf Spotify lief meine Lieblingsplaylist. Läuft. Und dann war ich mit einem Mal schon in Vilhelmina. Dort zweigt der Vildmarksvägen mit seinen zahlreichen Attraktionen ab. Den hatte ich 2024 bereits befahren, allerdings bei kaltem Regenwetter. Kurz entschlossen bog ich ab. Vielleicht kann ich den Weg bei gutem Wetter fahren. Mal sehen. Nach 60 Kilometern fand ich einen Platz ohne Verbotsschilder an einem Fluss für die Nacht. Heute kamen insgesamt 430 Kilometer zusammen.
Nach dem langen Fahrtag meldete sich der Hunger. Mal sehen, was die Bordküche hergibt.
Sonntag 13.09.2026


Die Sonne schien durch die Dachluke und weckte mich. Im Auto war es ohne Heizung schön warm. Nach der Morgenroutine und einem ersten Kaffee ging es los.
Der erste Streckenabschnitt endete bereits nach 25 Minuten, dann hatte ich das erste Ziel Trappstegforsen erreicht. Das ist ein Wasserfall, der über Terrassen flussabwärts rauscht. Ein tolles Naturschauspiel. Um für Fotos näher ranzukommen, kletterte ich über rutschige und bemooste Felsen bis ans Ufer. Ohne Unfall. Und die Sonne lieferte ein besonderes Licht. Nach einer halben Stunde Aufenthalt ging es weiter zum Stekenjokk, einem Hochplateau auf 876 Meter Höhe. In der Ferne waren bereits dunkle Wolken zu sehen, ich fuhr direkt darauf zu. Es fing an zu nieseln. Da sich die Sonne während der Schauer immer wieder mal zeigte, gab es ab und zu Regenbögen zu bestaunen. Die Straße schraubte sich immer höher. Steigungen von bis zu 8% waren zu überwinden. Der Motor lieferte im dritten Gang eine ordentliche Drehzahl. Mit einem Mal waren Bäume und Büsche verschwunden. Es gab nur noch Moose und Flechten auf dieser Höhe. Und der Wind nahm enorm zu. Irgendwann erreichte ich den Stellplatz auf der Passhöhe. Eigentlich wollte ich hier übernachten. Der kurze Aufenthalt außerhalb des Campers zum Fotografieren reichte mir, mich anders zu entscheiden. Der Wind war zum Sturm geworden und ich konnte mich kaum auf den Beinen halten. Windschatten gab es nicht, er kam von allen Seiten. Schnell zurück ins Auto. Nur den Rentieren schien es nichts auszumachen. Sie fühlten sich wohl. Ich verließ den unwirtlichen Ort. Die Schauer dehnten sich zum Dauerregen aus. Und nun das ganze wieder bergab. Ich wollte mir weiter unten einen Übernachtungsplatz suchen.
Am Stora Blasjön bin ich wegen des Wetters, wie schon 2024, vorbeigefahren. Ein Stopp lohnte einfach nicht. Dann fand ich meinen Platz direkt an einem See und etwas abseits der Straße. Ich stand geschützt unter Bäumen (die gab es hier wieder). Auf dem See waren Schaumkronen zu sehen. Die Nacht war ruhig. Der Wind legte sich am späten Abend.
Montag 14.09.2026


Der Vildmarksvegen endet in Strömsund. Bis dahin waren es von meinem Übernachtungsplatz 95 Kilometer. Dann sollte ich wieder die E45 erreichen. Es wird ein Fahrtag.
In Svenstavik konnte ich endlich das Grauwasser entsorgen; ist ja nur unnützes Gewicht. Es gab sogar einen Bodeneinlass. Für die Ver- und Entsorgung verlangt die Gemeinde SEK 100 oder € 10. In vorbereitete Briefumschläge konnte ich das Geld reinlegen und in einen sicheren Briefkasten werfen. Für weitere SEK 100 kann man auch übernachten. Das wollte ich nicht. Unterwegs meldete sich der AdBlue- Sensor, er hatte Durst. In Sveg konnte ich an einer Q8 fünf Liter für umgerechnet € 5,10 auffüllen.
Nach 420 Tageskilometer übernachtete ich im Hamra Nationalpark. Hier kann man eine eiszeitliche Moor- und Sumpflandschaft bestaunen, die vor 10.000 Jahren beim Abschmelzen des Eises entstand. Ein 2,5 Kilometer langer Rundweg auf Holzbohlen führt durch die einsame Landschaft. Die Bewegung tat nach der Autofahrt gut. Was mich am meistem beeindruckte: die absolute Stille. Kein Verkehr und keine anderen Umweltgeräusche. Da es windstill war, raschelten nicht einmal die Blätter an den Bäumen. Ich übernachtete auf dem Besucherparkplatz mit einem weiteren deutschen Camper.
Dienstag 15.09.2026

Das wird wohl der kürzeste Eintrag ins Logbuch. Grund: Ereignislosigkeit. Um es vorwegzunehmen: es sollte den ganzen Tag regnen, mal mehr, mal weniger. Erst gegen 20 Uhr hörte es auf. Vorübergehend...
In Mora habe ich beim Coop die Vorräte aufgefüllt. In Johannesholm verließ ich die E45 und wechselte auf die 26. Nach 320 Kilometer erreichte ich Kristineham am nordöstlichen Zipfel des Vänernsees. Am Yachthafen fand ich ein ruhiges Plätzchen. Und lasse den Tag gemütlich ausklingen, während beim Schreiben schon wieder der Regen aufs Blechdach prasselt. Aber es ist irgendwie auch gemütlich.
Mittwoch 16.09.2026

Heute ist mit 413 Kilometer der letzte lange Fahrtag in Schweden. Es ging am trockenen Morgen von Kristinehamn nach Halmstad an der Ostsee. Von hier gab es früher eine Fährverbindung ins dänische Grenaa. Stena Line hat diese Verbindung aus Rentabilitätsgründen zum 30.04.2026 eingestellt.
Die Quartiersuche war heute aufwendiger als sonst. Irgendetwas war von meiner Seite immer auszusetzen. Schließlich fand ich im Naherholungsgebiet in Halmstad einen abgelegenen Parkplatz, der im Sommer sicherlich gut gefüllt ist wegen seiner Strandnähe. Bis auf ein paar Spaziergänger und Gassigeher war heute nichts los. Als die Dämmerung einsetzte, stand ich alleine dort.
Ich überlegte, wie ich am besten über die Ostsee Richtung Heimat komme und stieß dabei auf ein Angebot der Scandlines. Es gab ein Kombiticket für die Oeresundbrücke bei Malmö sowie ein Ticket für die Vogelfluglinie von Roedby in Dänemark nach Puttgarden für € 141. Das war günstig und ich habe gebucht. So wird es am Freitag über die Brücke und weiter nach Roedby gehen.
Donnerstag 17.09.2026


In der Nacht gesellten sich weitere Camper zu mir. Gegen Morgen nahm der Wind zu und es begann wieder zu regnen.
Heute waren es nur noch 140 Kilometer bis nach Malmö. Ich wollte meinen letzten Tag und letzte Nacht in Schweden auf dem Stellplatz Lagunen (SEK 325/ € 29) verbringen. Die Fahrt über die vierspurige E6/ E20 war langweilig mit viel Verkehr. Wir befinden uns eindeutig im dichtbesiedelten Südschweden. Den Tag verbrachte ich mit einer Innenraumreinigung, Aufräumen, Kochen, Abwaschen und Faulenzen. Gegen Mittag zog sich der anfangs blaue Himmel zu, am Nachmittag begann es zu regnen.
Sobald ich am Freitag die Oeresundbrücke passiert habe, sind es noch knapp 200 Kilometer bis zum Fährhafen in Roedby. Die Abfahrt der Fähre ist um 11.00 Uhr. Also früh starten!
Von Puttgarden bis nach Hause sind es dann nur noch 160 Kilometer. Lächerlich!

Fazit
Der Herbst ist eine schöne Reisezeit und absolut zu empfehlen. Besonders in den höheren Regionen zeigte sich bereits im September eine grandiose bunte Herbstlandschaft. Die touristischen Hotspots sind nicht mehr überlaufen im Vergleich zum Hochsommer. Die Stellplatzsuche war einfach. Ich habe die App Park4Night genutzt und habe von den 25 Reisetagen lediglich auf vier offiziellen Stellplätzen übernachtet.
Wetter
Mit dem Wetter hatte ich diesesmal kein ausgesprochenes Glück. Viel Regen war dabei und schränkte die Aktivitäten ein. In den Höhenlagen waren die Abende und Nächte schon recht frisch, sodass geheizt werden musste. Auch leichter Nachtfrost mit wenigen Minusgraden kam vor. Umso schöner war die klare Luft am nächsten Morgen.
Tanken
Den größten Anteil mit 70% der gesamten Reisekosten machten die Tankfüllungen aus. Am teuersten war Norwegen mit € 2,61 pro Liter, gefolgt von Finnland mit € 2,36. In Schweden lag der subventionierte Preis zuletzt bei € 2,05 und hatte sich in den vergangenen drei Wochen nach oben orientiert.
Camper
Der hielt allen Herausforderungen stand. Da das Fahrzeug keinen Ölmessstab hat und den Ölstand nur digital anzeigt, habe ich vorsorglich 0,5 Liter nachgefüllt. Hätte wahrscheinlich nicht nötig getan. An AdBlue habe ich 14 Liter nachgetankt. Der Durchschnittsverbrauch sank dank der moderaten Fahrweise zwischen 70 und 80 km/h auf 8,5 Liter/ 100 km.
Internet
Gab es überall. Selbst auf den einsamsten Höhenlagen und abgelegensten Strecken mit mindestens 4G.

Die Strecke - 6.727 Kilometer
